Hühnermoor Marienfeld - Ort des Klimaschutzes
Exkursion der BUND-Kreisgruppe Gütersloh
Was macht ein Moor so besonders? Warum werden dort Bäume gefällt, obwohl sie doch als Symbol für den Naturschutz gelten? Und weshalb ist ausgerechnet eine unscheinbare, nasse Landschaft ein echter Klimaschützer?
Mit diesen Fragen im Gepäck machten sich rund 20 Naturinteressierte auf Einladung der BUND-Kreisgruppe Gütersloh auf den Weg ins Marienfelder Hühnermoor. Gästeführerin Bärbel Tophinke nahm die Gruppe mit auf eine spannende Reise durch die Geschichte eines der wertvollsten Lebensräume im Kreis Gütersloh.
Eine Landschaft aus der Eiszeit
Das Hühnermoor entstand vor rund 10.000 bis 12.000 Jahren nach dem Ende der letzten Eiszeit. Schmelzwasser formte Senken, in denen sich Wasser sammelte. Nach und nach lagerten sich abgestorbene Pflanzenreste ab. Über Jahrtausende wuchs daraus Torf – die Grundlage eines Moores.
Heute ist das Hühnermoor mit seinen 8,5 Hektar das letzte erhaltene Hochmoor im Kreis Gütersloh. Der eigentliche Hochmoorkörper umfasst etwa zwei Hektar und ist zugleich das älteste Naturschutzgebiet der Stadt Harsewinkel.
Moore – kleine Fläche, große Wirkung
Moore gehören zu den wirksamsten natürlichen Klimaschützern überhaupt. Solange sie nass bleiben, speichern sie enorme Mengen Kohlenstoff. Werden sie entwässert, gelangt Sauerstoff an den Torf. Dieser beginnt sich zu zersetzen und setzt große Mengen Kohlendioxid frei.
Deutschland hat allerdings bereits rund 95 Prozent seiner ursprünglichen Moorflächen verloren. Viele wurden trockengelegt, um landwirtschaftliche Flächen zu gewinnen oder Torf abzubauen. Auch im Hühnermoor wurde bis 1925 Torf als Brennstoff gestochen.
Umso wichtiger sind heute Renaturierungsmaßnahmen. Entwässerungsgräben wurden verschlossen, angrenzende Flächen extensiviert und Torfmoose angesiedelt. Selbst das Fällen von Bäumen dient hier dem Naturschutz: Große Bäume entziehen dem Moor täglich erhebliche Mengen Wasser. Für ein Hochmoor gilt deshalb ein einfacher Grundsatz:
Moor muss nass. Hoffnung durch Regen
Ob sich ein Hochmoor erholen kann, entscheidet vor allem der Wasserstand. Die regenreichen Jahre 2024 und 2025 haben dem Hühnermoor neuen Auftrieb gegeben. Messungen zeigen deutlich höhere Wasserstände als in den trockenen Jahren zuvor.
Damit sich das Moor dauerhaft regenerieren kann, müssen Torfmoose wieder wachsen. Erst sie bilden neuen Torf und lassen den Moorkörper langsam anwachsen – ein Prozess, der Jahrzehnte bis Jahrhunderte dauert.
Ein Zuhause für viele Arten
Wer durch das Hühnermoor spaziert, entdeckt eine Pflanzenwelt, die auf extrem nährstoffarme, saure und dauerhaft nasse Böden spezialisiert ist. Wollgras, Rauschbeere und verschiedene Torfmoose prägen das Landschaftsbild. Besonders faszinierend ist der Rundblättrige Sonnentau, eine fleischfressende Pflanze, die sich ihre fehlenden Nährstoffe durch den Fang kleiner Insekten beschafft.
Auch seltene Tierarten finden hier einen Rückzugsort, darunter die Kleine Moosjungfer, die Sumpfschrecke und die Waldeidechse.
Große Resonanz auf die BUND-Exkursion
Die Exkursion stieß auf so großes Interesse, dass erstmals nicht alle Anmeldungen berücksichtigt werden konnten. Organisiert wurde die Veranstaltung von Anette Klee aus dem Vorstand der BUND-Kreisgruppe Gütersloh.
Neben vielen fachlichen Informationen blieb auch Raum für Geschichten und Anekdoten rund um das Moor. So zeigte sich einmal mehr: Moore sind weit mehr als nasse Landschaften. Sie erzählen Erdgeschichte, bewahren seltene Arten – und leisten einen unverzichtbaren Beitrag zum Klimaschutz.
Wer das Hühnermoor besucht, erlebt einen Ort, an dem sich Vergangenheit und Zukunft auf eindrucksvolle Weise begegnen.