BHA - Haltbarmacher mit Nebenwirkungen
Umstrittener Zusatzstoff in Lebensmitteln und Kosmetik
BHA oder Butylhydroxyanisol: Wer Kaugummi kaut oder verarbeitete Lebensmittel isst, nimmt ihn oft mit auf. Der Stoff steckt außerdem in Kosmetik und Arzneimitteln. Offiziell heißt er „Lebensmittelzusatzstoff E 320“. BHA steht wegen seiner Nebenwirkungen in der Kritik.
Was ist BHA – und warum wird es eingesetzt?
BHA ist ein synthetischer, also künstlich hergestellter Stoff. Er wirkt gegen die Oxidation. Oxidation lässt sich zum Beispiel bei angeschnittenen Äpfeln beobachten. An den Schnittstellen verfärben sie sich braun. Beträufelt man sie mit Zitronensaft, behalten ihre natürliche Farbe. Der im Zitronensaft enthaltende Vitamin C verhindert die Oxidation.
Ähnlich dazu besteht die wichtigste BHA-Aufgabe darin, Lebensmittel und Fette frisch zu halten. Denn BHA fängt so genannte „freie Radikale“ ab: sehr reaktionsfreudige Teilchen in unserem Körper oder in Lebensmitteln. Sie entstehen z. B. durch Stoffwechselprozesse, Stress, Rauchen, UV-Licht oder beim Verderben von Fetten. Weil ihnen ein Baustein fehlt, „schnappen“ sie ihn sich von anderen Molekülen – und können diese dabei schädigen.
Durch das Abfangen dieser Teilchen verhindert das BHA, dass Öle und Fette ranzig werden. Denn dadurch würde der Geschmack des Produkts verändert oder verdorben. Besonders gern verwenden Hersteller BHA in Produkten, die fettreich oder lange haltbar sein sollen: Snacks, Fertigprodukte, Süßwaren – und Kaugummi. Dort verhindert es, dass die enthaltenen Fette schlecht werden oder sich der Geschmack verändert. Auch in Lippenstiften, Cremes oder Arzneien wird so die Haltbarkeit verlängert.
Wie BHA im Körper wirkt
Problematisch ist, dass BHA auch im Körper von Menschen und Tieren wirkt. Es kann sich im Fettgewebe anreichern. Zudem gibt es Hinweise auf eine hormonähnliche Wirkung. Das bedeutet, der Stoff kann in den Hormonhaushalt eingreifen und natürliche Regulationsprozesse stören.
Gerade Hormonsysteme sind sehr empfindlich – schon kleine Mengen können Wirkungen entfalten, etwa auf Schilddrüse, Fruchtbarkeit oder Stoffwechsel. In Tierversuchen wurden neben Veränderungen an den Geschlechtsorganen außerdem Leber- und Immunsystemveränderungen beobachtet.
Diskussion um Krebsrisiko und weitere Gesundheitswirkungen
Über BHA wird außerdem seit Jahren im Zusammenhang mit Krebsrisiken diskutiert. In Tierversuchen zeigten sich teils Hinweise auf krebsfördernde Effekte, teils auch gegenteilige Ergebnisse – die Bewertung ist schwierig. Klar ist jedoch: Der Stoff steht unter Beobachtung.
Weitere bekannte Effekte:
• mögliche allergische Reaktionen (z. B. Hautreizungen)
• Beeinflussung des Vitamin-D-Stoffwechsels
• Erhöhung der Blutfettwerte
Für Babynahrung ist BHA verboten. Das gilt als klare Sicherheitsmaßnahme.
Warum ist BHA dann überhaupt noch zugelassen?
Aus Sicht der Industrie ist BHA kostengünstig, stabil und wirksam. Behörden legen Grenzwerte fest, die als sicher gelten sollen. Kritische Fachleute bemängeln jedoch, dass Langzeit- und Kombinationswirkungen (mit anderen Chemikalien) schwer abzuschätzen sind.
Was bedeutet das für Verbraucherinnen und Verbraucher?
Wer vorsorglich handeln möchte, kann:
- Mit der ToxFox-App vom BUND Produkte prüfen
- Zutatenlisten nach „E 320“ oder „BHA“ durchforsten
- naturbelassene Lebensmittel bevorzugen (z. B. selbst kochen)
- Naturkosmetik verwenden
Viele Hersteller verzichten bereits freiwillig auf BHA auch aus Imagegründen.
Fazit: Genau hinschauen ist besser
BHA verlängert die Haltbarkeit – doch die möglichen Risiken liegen auf der Hand. Besonders die hormonähnlichen Effekte geben Anlass zur Sorge. Aus Sicht des Umwelt- und Verbraucherschutzes gilt daher: Wo Alternativen möglich sind, sollten sie genutzt werden. Transparenz und klare Regulierung sind wichtig – damit Menschen selbst entscheiden können, was sie in den Mund nehmen oder auf die Haut geben.
Autorin: Birgit Lutzer
Quellen:
https://www.spektrum.de/lexikon/ernaehrung/butylhydroxyanisol/1373
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/16023279/