Waldgezwitscher
Vogelkundliche Wanderung im Teuto
Unter dem Motto „Der frühe Vogel“ lud die BUND-Kreisgruppe Gütersloh zu einer vogelkundlichen Wanderung rund um den Fernsehturm in Bielefeld ein. Mit Fernrohren und Handys ausgestattet, ging es um 7 Uhr in der Frühe los. Für unterhaltsam und liebevoll aufbereitetes Fachwissen über das, was sich im „Teuto“ so tummelt, sorgte Waldpädagoge Thomas „Thommy“ Weigel, der unter „WeigelswildeWelt“ Exkursionen anbietet.
Vom schnellsten bis zum kleinsten Vogel
Der schnellste Vogel, dem die Gruppe aus der Ferne begegnete, war ein wohl in der Nähe des Turms brütender Wanderfalke. „Wenn der nach unten stößt, kann das in einer Geschwindigkeit bis zu 300 Stundenkilometer sein“, erläuterte Weigel. Der kleinste gefiederte Waldbewohner war ein Wintergoldhähnchen. Sein gelbes Bäuchlein und sein hohes, piepsendes Gezwitscher begeisterten die Teilnehmenden. Weigel: „Er wiegt nur so viel wie eine 20-Cent-Münze.“
Revierverhalten und Konkurrenz
Dass Rotkehlchen sehr auf ihr Revier achten und dabei teilweise brutal mit anderen Vögeln umgehen, war für viele ebenso überraschend wie eindrücklich. „Die sehen so niedlich aus und kommen auch nahe heran, wenn wir im Garten herumbuddeln.“ Manche Menschen verstünden dieses Verhalten als Zahmheit. Doch Weigel widersprach der Annahme: „Sie wollen einfach nur ihren Lebensraum sichern.“
Zwillingsarten und Eiszeit
Besonders spannend waren Weigels Ausführungen über den Zilpzalp und den Fitis, die zu hören und zu sehen waren. „Die beiden Arten waren früher mal eine. Durch die Eiszeit wurde die Population zwischen 50.000 und 100.000 Jahre voneinander getrennt.“ Sie hätten sich unabhängig voneinander weiterentwickelt. „Als sie nach dem Zurückgehen des Eises wieder aufeinandertrafen, konnten sie keine gemeinsamen Nachkommen mehr zeugen.“ Und genau das sei die Definition für getrennte Arten.
Falsch: Mit aufgenommenen Vogelstimmen täuschen
Manche Leute spielen im Wald oder im Garten laut Vogelgesänge ab und halten das für einen lustigen Scherz. Weigel warnt: „Stellen wir uns vor, ich würde an derselben Stelle regelmäßig den Gesang eines Waldkauzes abspielen, und zwar den eines dominanten Männchens.“ Der Waldkauz, der eigentlich in diesem Revier lebt, könne dadurch vertrieben werden. „Dann ist da gar kein Waldkauz mehr.“ Ein Teilnehmer berichtete von einer eigenen Erfahrung: Er habe Amselgeräusche abgespielt. „Ein Amselmann ist wütend auf den Lautsprecher losgegangen.“
Engagement vor Ort
Anette Klee aus dem Vorstand der BUND-Kreisgruppe Gütersloh hat die Veranstaltung organisiert. Sie betont: „Solche Exkursionen zeigen, wie viel es direkt vor unserer Haustür zu entdecken gibt – und wie wichtig es ist, diese Vielfalt zu schützen.“