Totholz – Raum voller Leben
BUND-Kreisgruppe Gütersloh informierte über die Bedeutung abgestorbener Bäume
Warum abgestorbenes Holz sehr nützlich ist, erfuhren rund 25 Gäste am Ende Oktober, bei einer Vortagsveranstaltung in den Räumen der AWO Isselhorst. Referentin Farina Graßmann erklärte in ihrem Vortrag anschaulich die vielfältige ökologische Bedeutung von Totholz.
Totholz ist Futter und Baumaterial
Die Fotografin und Fachbuchautorin erläuterte: „Viele Menschen wissen gar nicht, dass Totholz ein Hotspot der Artenvielfalt ist.“ So sei etwa der Hirschkäfer für seine Larven zwingend auf lange liegendes morsches Holz angewiesen. Auch der oft als Forstschädling betrachtete Borkenkäfer spiele eine wichtige Rolle im Kreislauf des Waldes. „Er ist Futterquelle für verschiedene Vogelarten und Käfer – und zugleich Lieferant neuen Totholzes, indem er geschwächte Bäume befällt.“ Der Buntspecht nutzt der Referentin nach bevorzugt abgestorbene Äste und Stämme, um seine Bruthöhlen zu zimmern. Und der Biber forme durch das Fällen von Bäumen ganze Landschaften, die Lebensräume für Libellen, Frösche und Fische bieten.
Totholzburg als Lebensinsel
Farina Graßmann gab auch praktische Tipps für den eigenen Garten. Eine sogenannte „Totholzburg“ entstehe, wenn man ein Loch grabe, es mit Hackschnitzeln und Sägespänen fülle und größere Holzstücke darüberlege. „So finden Käfer, Pilze und Wildbienen neue Lebensräume, und auch Siebenschläfer oder Fledermäuse nutzen größere Strukturen dieser Art als Unterschlupf.“
„Jeder Stamm, der verrotten darf, fördert Leben“
Zum Abschluss fasste Anette Klee ihre Eindrücke zusammen: „Wer versteht, welche Rolle Totholz spielt, sieht den Wald mit anderen Augen.“. Auch Reinhard Fink vom BUND-Kreisvorstand unterstrich die Bedeutung: „Wer Totholz liegen lässt, schafft Leben. Jeder Stamm, der verrotten darf, ist ein kleiner Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt und zugleich aktiver Klimaschutz.“ Das Publikum zeigte sich beeindruckt von den vielen Beispielen und Anregungen. Der Abend machte deutlich, dass Totholz alles andere als tot ist – es steckt voller Leben.
Weitere Fakten zum Totholz
Totholz erfüllt im Ökosystem zahlreiche Funktionen. Es wirkt wie ein Schwamm, speichert Wasser und trägt so zu einem ausgeglichenen Mikroklima bei. Auch lebende Bäume können Totholzanteile haben, etwa alte Kopfweiden, deren abgestorbene Äste wertvolle Rückzugsorte für Insekten bilden.
In kleinen Wasseransammlungen, die sich in morschem Holz bilden, legt die Totenkopfschwebfliege ihre Eier ab. Besonders wertvolle tote Bäume werden als sogenannte Habitatbäume bezeichnet und manchmal sogar gekennzeichnet, um ihren ökologischen Wert hervorzuheben. Wurzelteller umgestürzter Bäume bieten Lebensräume für Reptilien, Zaunkönige oder – wenn sie groß genug sind – sogar für den Eisvogel. Die dabei entstehenden Bodenmulden nutzen Bergmolche oder Gelbbauchunken. In Moospolstern alter Stämme speichern sich Wasserreserven, und unter Totholz verstecken sich Feuersalamander, bis der nächste Regen kommt.
Bild: Sie setzen sich für den Erhalt von Totholz ein – auch im eigenen Garten. Von links Reinhard Fink, Anette Klee, Farina Graßmann und Sascha Blümel. Foto: BUND.