Riesige Schneisen im Wald Nähe Fleerweg, Halle
Mitten in der Brut- und Setzzeit bei laufender Artenkartierung
Am Haller Fleerweg klafft seit Kurzem eine breite Schneise mit Nebenwegen im Wald. Sie wurde mit schwerem Gerät angelegt– und das mitten in der sensiblen Brut- und Setzzeit. Besonders brisant: Die Eingriffe erfolgten in unmittelbarer Nähe zu einem geplanten Windkraftstandort. Über den tatsächlichen Zweck der Maßnahme lässt sich bisher nur spekulieren.
Lebensräume unter Druck
Birgit Lutzer vom Vorstand der BUND-Kreisgruppe Gütersloh ist verärgert:„Solche schweren Eingriffe sorgen dafür, dass Lebensräume zerstört, Tiere verschreckt und vertrieben werden.“ Sie verweist auch auf die Wirkung über den eigentlichen Schneisenbereich hinaus: „Die Geräusche von Harvester, das Stapeln und Abräumen von Baumstämmen – das ist ein massiver Störfaktor.“
Forstamt verweist auf Schutzmaßnahmen und vorsichtiges Vorgehen
Das zuständige Regionalforstamt OWL sieht die Lage anders. Auf Nachfrage der BUND-Kreisgruppe teilte die Behörde mit, der Förster habe beim Markieren der zu entnehmenden Bäume auf Horst- und Höhlenbäume geachtet sowie Schutzabstände eingehalten. Birgit Lutzer schüttelt mit dem Kopf: Gezielte Fällungen mit Rücksicht auf Horstbäume oder andere Rückzugsorte für Wildtiere seien bei einem so großflächigen Vorgehen unmöglich, sagt sie. „Hier wurden einfach radikal alle Bäume plattgemacht, die im Weg standen.“
Mischwald statt Nadelwald
Das Regionalforstamt argumentiert außerdem, es habe sich um einen „nadelholzgeprägten“ Bestand gehandelt. Dem widerspricht Kai Bußmann von der Bürgerinitiative Barrelpäule entschieden: „Es handelt sich ganz klar um einen gesunden Mischwald mit vielen Buchen und Eichen.“ Auch vor Ort seien noch zahlreiche Laubbäume sowie liegengelassene Stämme zu sehen.
Artenkartierungen beeinträchtigt?
Friedel Bußmann, Vater von Kai Bußmann, weist auf eine weitere Problematik hin: Der Zeitpunkt der Maßnahme sei besonders kritisch, da derzeit Artenkartierungen für das Genehmigungsverfahren von sechs Windkraftanlagen laufen. „Durch die massive Störung könnten Tiere, darunter auch geschützte Arten, vertrieben worden sein – das beeinträchtigt die Aussagekraft der Erhebungen erheblich.“
Das Forstamt räumt ein, von der laufenden Kartierung sei dem zuständigen Förster nichts bekannt gewesen. Die Fällmaßnahmen seien jedoch rechtlich zulässig und auch während der Brut- und Setzzeit vertretbar.
Wieder einmal Wirtschaft vor Wald
Der BUND stellt grundsätzlich infrage, ob solche Eingriffe in Zeiten des Waldsterbens noch verantwortbar sind. „In einer Zeit, in der laut Bundesagrarministerium 80 Prozent der Fichten, Kiefern, Buchen und Eichen krank sind, ist der Erhalt gesunder Wälder und der in ihnen lebenden Arten umso wichtiger“, sagt Lutzer. Ihr Fazit: „Leider sieht es auch hier so aus, als ob wirtschaftliche Interessen Natur- und Artenschutzbelangen übergeordnet werden.“
Auf dem Bild von links Friedrich "Friedel" Bußmann, Kai Bußmann, Andreas Bader, Birgit Lutzer und Ulrich Fälker.